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Serbien - Mit offenen Armen empfangen und ein verlassenes Haus




Am Zoll angekommen, wurden wir von den Zöllnern welche nicht Englisch sprachen, freudig begrüsst sie hatten zum einen Freude an unserem Fortbewegungsmittel und zum anderen an unserer Schweizer Identitätskarte. Nach einem Verständigen mit Händen und Füssen, äusserte ich ein “Dobro” was soviel wie “gut” heisst und sie lachten entgegen und verabschiedeten sich mit einem doppelten “Dobro, dobro”.

Kaum über den Zoll gekommen, begann es stark zu regnen. Wir hatten schon mehr als 80 Kilometer in den Beinen und waren hungrig und der geeignete Schlafplatz wollte im weiterhin hügligen Serbien nicht kommen. Nach langem Suchen ohne Fahrrad war auf einem Hügel der gewünschte Platz gefunden. Mitten in der nassen Nacht wachte ich mit Rückenschmerzen auf und David war so nett und tauschte die bewährte in der Schweiz gekaufte Matte mit mir und begab sich auf die leicht dünnere “italienische” Matte. Nach dem Aufstehen, lösste mir mein Bruder mit einer Massage die Verspannungen in meinem Rücken.

Weiter ging es durch die serbischen Städte Čacak und Kraljevo von denen es sightseeing technisch kaum etwas zu berichten gibt. Unser Zelt stellten wir leicht ausserhalb Kraljevo, in der Nähe eines verlassenen Hauses auf. Wir wussten, dass gewisse Häuser laut Karte etwa 500m von uns entfernt waren und versuchten somit nicht zu viel Licht und Lärm von uns zu geben.



Im Dunkeln waren wir inmitten des Zubereitens des Nachtessens und flüsterten leise miteinander als plötzlich ein Mann mit Licht durch die Büsche schritt. Er zündete uns mit seiner Lampe ins Gesicht und fragte misstrauisch in serbischer Sprache von wo wir kommen. Als er verstand, dass wir aus der Schweiz sind, wollte er uns nicht glauben und wir versuchten zu erklären, dass wir eine Mischung zwischen Schweiz und Philippinen sind.


Wir zeigten ihm die Fahrräder und nahmen die offline Transaltor App zur hilfe. So konnte er verstehen, dass wir von der Schweiz bis nach China reisen möchten. Ich bot ihm meinen Stuhl an und Dragisa setzte sich zu uns in den Kreis und wir hatten eine nette Runde. Auf die Frage ob er mit uns essen möchte meinte er nein danke, er gehe und komme bald wieder. Wir waren fast fertig mit dem essen als er mit einem Sack Äpfel vom Baumin in seinem Garten und einer Pet-Flasche Rakija / Zwetschgen Schnapps wieder aufkreuzte. David konnte den Rakija besser vertragen als ich.. Er fragte uns ob wir morgen einen Kaffee trinken kommen. Im Chor nahmen wir dieses Angebot dankend an. Er zeigte uns noch wo sein Haus steht und wir wünschten uns eine gute Nacht. Wir machten uns darauf Schlafsackfertig und putzten die Zähne. Plötzlich hörte ich von der Strasse hin ein scheues “Hallo” und löschte sofort das Licht und wollte nicht erneut entdeckt werden. Auf das zweite “Hallo” lief ich neugierig der Strasse entgegen. Eine Frau stand da mit einem Tablett Omeletten in der Hand. Ich vermutete die Frau von Dragisa und nahm die noch warmen Omeletten dankend entgegen, welche dann unser Frühstück waren.


Am Tag darauf, empfing uns Dragisa und seine Frau Jasna mit Kaffee, Tee, hausgemachtem Honig und natürlich einer Flasche Rakija in seinem Garten. Wir tauschten uns weiter aus und er füllte uns eine Pet Flasche mit Rakija, gab uns noch weitere Äpfel mit auf den Weg und machte uns via Videocall mit seinem Bruder der in der Schweiz lebt bekannt. Kurz gefasst: unglaubliche schöne Bekanntschaften welche wir uns zwar vor der Reise erträumt haben aber nicht geplant werden können.



Nach einem Ruhetag im Wellness und einer Airbnb Unterkunft, fuhren wir weiter Richtung Niš wovon es etwas mehr als 100km zur bulgarischen Grenze sind. Kurz vor Niš trafen wir Josh, einen inspirierenden, 21 jährigen, englischen Burschen der von Shanghai, China aus zurück in seine Heimat England radelt. Dies jedoch in doppelt so schnellem Tempo wie wir, mit weniger Gepäck, einem leichteren Fahrrad aus Carbon und einem noch verrückterem Denkstübchen. Gemeinsam tauschten wir uns bei einem Strassenladen bei einer Tafel Schokolade und Chips über die Erlebnisse und Routen aus. Wir staunten nicht schlecht als plötzloch auf der Strasse ein bepacktes Trike (eine Art Sitzvelo) aufkreuzte und unsere drei Reiseräder musterte. Bidi setzte sich zu uns und erzählte uns dreien seine Pläne, wie er mit dem elektrisch unterstützten Trike von England nach Südafrika fahren möchte. An diesem Tisch war die Passion für das Radfahren- und reisen vollumfänglich spürbar.



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